Der turbulente Weg des Fernseh-Oscars von New York nach Herne

Jesse Owens in Berlin, 1936

(Foto: Thomas Schmidt)

Der Historiker Ralf Piorr hat einen „Emmy“ gewonnen: Er erhielt den Oscar der US-Fernsehbranche für seine Recherchen zu einer Dokumentation über Jesse Owens. Der schwarze Leicht-athlet hatte 1936 bei Olympia in Berlin viermal Gold gewonnen.

 

Für die Doku hat Piorr in deutschen Archiven geforscht. Bei der Aufbereitung „einer der größten Sportgeschichten des 20. Jahrhunderts“ habe es auch Differenzen mit dem US-Team gegeben, berichtet er. Die Geschichte von der fehlenden Anerkennung in den USA für den schwarzen Athleten habe Regisseurin Laurens Grant erzählt. Dazu hätte als starker Kontrast der Mythos „Owens fährt nach Berlin und schlägt Hitler“ gut gepasst. Die historische Wahrheit sei jedoch eine andere: „Owens war der größte Athlet der Spiele, doch Hitler und sein Regime waren die größten Sieger.“ Vor allem sie hätten von Olympia profitiert. Trotz der Reibungs-verluste – mit dem Film kann Piorr leben.

 

Preiswürdig ist allerdings auch die kuriose Geschichte, unter welchen Umständen der Emmy aus den Staaten ins Ruhrgebiet gelangte. An der Preisverleihung in New York hat Piorr nicht teilgenommen: „Ich hätte den Flug und 500 Dollar für die Eintrittskarte selbst bezahlen müssen.“ Und dann hätte es ja auch passieren können, dass „American Experience“, so der Originaltitel des Films, leer ausgeht – waren doch mehrere Dokus nominiert.

 

Natürlich hat die Nachricht über den Emmy-Gewinn ihn gefreut, für die Statue sollte er nun aber 400 Dollar zahlen; auch die ihm angebotenen Alternativen – 40 Dollar für eine Urkunde, 120 Dollar für eine Plakette – lehnte er dankend ab. Womit diese Geschichte eigentlich beendet und Ralf Piorr ein Emmy-Preisträger ohne Emmy wäre – wenn, ja, wenn nicht Ulrich Homann auf den Plan getreten wäre. Der Chef der Zeitschrift „Reviersport“, für die Piorr früher geschrieben hat, erklärte, dass es ihm „eine Ehre“ sei, die Kosten zu übernehmen.

 

Doch dann kam der nächste Hammer. „Für den Transport nach Deutschland sollten wir zusätzlich 300 Dollar zahlen“, berichtet Ralf ­Piorr. Ein Unding. Doch auch hier sprang ein Bekannter in die Bresche. Piorrs Freund Young-Soo Chang weilte gerade für sechs Wochen als Kameramann für die Sendung „Germany’s Next Top-Model“ in den USA. „Er hat sich dann den Emmy von New York nach Los Angeles schicken lassen. Das war sogar kostenlos“, berichtet Piorr weiter.

 

Nach Abschluss der TV-Aufnahmen sollte Chang die Trophäe mit nach Deutschland bringen. Was sich dann jedoch am Zoll als höchst problematisch erwies: „Die Zöllner haben wohl sonst was in der großen schwarzen Kisten vermutet“, so Piorr.

 

In dieser Woche konnte der Herner die Trophäe endlich in den Händen halten. Bei einem Bier in der Szene-Kneipe Sonne überreichte Young-Soo Chang ihm das mächtig schwere Teil. „Ich werde eine Praktikanten einstellen, der den Emmy einmal in der Woche abstaubt“, scherzt der Preisträger.

 

 

Zusammengestellt aus Texten von Lars Christoph,

WAZ, 07.10.2013 und 21.02.2014