Besucher bei der Ausstellungseröffnung und eine Momentaufnahme der Podiumsdiskussion mit Ralf Piorr, Michael Farrenkopf, Moderatorin Uta C. Schmidt und Stefan Goch. (Fotos: Thomas Schmidt)

 

Die Geschichte kehrt in die
Flottmann-Hallen zurück

15. Januar 2015

 

„Wenn du denkst, Flottmann geht unter, er geht nicht unter, er lebt ganz froh“. Nur mit höchster Mühe wuselte sich Christian Ribbe durch den Text des Flottmann-Walzers, der an diesem Abend seine „Welturaufführung“ erlebte.
Otto Heinrich Flottmann „verstand zwar was von Bohrhämmern“, lästerte Ribbe, „vom Dichten, von Jambus und Trochäus aber sehr wenig“.

 

Anlass für die Premiere und eine Podiumsdiskussion war die Eröffnung der Dauerausstellung in den Flottmann-Hallen, die die Geschichte der Firma und der Eigentümerfamilie aufarbeitet. Eine Geschichte, die nicht nur eine des Erfolgs ist, für Innovation steht und Herne den Beinamen „Stadt der Bohrhämmer“ einbrachte; es ist auch eine Geschichte mit dunklen Kapiteln, wie OB Horst Schiereck feststellte: „Das Unternehmen profitierte massiv von der Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Im Oktober 2013 wurde Heinrich Flottmann aufgrund seiner Verstrickungen in den Nationalsozialismus posthum die Ehrenbürgerschaft durch den Rat der Stadt Herne aberkannt.“

 

Durch die neue Dauerausstellung ist die Geschichte in den bekannten Kulturstandort zurückgekehrt. Im Sommer 2015 sollen im Außengelände noch hstorische Informationmstafeln, unter anderem zum Thema der Zwangsarbeit bei Flottmann im Zweiten Weltkrieg, folgen. Auch bei der Podiumsdiskussion mit Ralf Piorr, Dr. Michael Farrenkopf vom Bergbaumuseum, Prof. Dr. Stefan Goch vom Institut für Stadtgeschichte in Gelsenkirchen und Hubert Emmerich, ehemals Leiter des Kulturamtes und Sohn eines Flottmann-Mitarbeiters, wurde über die NS-Vergangenheit des Betriebs und seines Eigentümers gesprochen. „Flottmann war Nationalsozialist der ersten Stunde, das hat sich auch auf das Unternehmen und die Beschäftigten ausgewirkt. Das Werk galt schon vor dem 30. Januar 1933 als Nazi-Betrieb”, so Piorr.